Reisewelt Beck GmbH

Auf dem Laugavegur
Ein Reisebericht von Andrea Bleass

12.08. - 20.08.04



Islands Fernwanderweg Laugavegur liegt im Süden und verbindet zwei Nationalparks miteinander. Seine Länge beträgt 55 km. Der Wanderweg biete Einblicke in Islands vielfältige Landschaften mit all seinen Farben und Formen. Es gibt unzählige Möglichkeiten für den Wanderer, die Länge der Strecke durch zusätzliche Aufstiege auf Aussichtsgipfel zu verlängern. Wenn es jedoch durch wenig erschlossenes und unwegsames Gelände geht, ist ein Wanderführer zu empfehlen.

Der Laugavegur "Hauptweg" ist kein Spazierweg, er erfordert vom Wanderer eine gute Kondition und Trittsicherheit, vor allem bei richtigem "Isländischen Wetter".

Es ist eine Strecke, bei der die Natur in ihrer Größe beeindruckend auf den Wanderer wirkt und zum Nachdenken und Innehalten anregt.

1. Tag
Ankunft in Keflavik um 23:30 Uhr. Der ASI-Wanderführer erwartet uns am Flughafen, es sind nur 4 Teilnehmer angekommen, die restlichen sind schon im Hotel in Reykjavik. Anschließend geht’s mit dem Bus auf den 45 minütigen Transfer in unser Hotel nach Reykjavik. Am nächsten Morgen gibt’s eine kleine Begrüßungsrunde nach dem Frühstück. Unsere Reisegruppe besteht aus 10 Teilnehmern unterschiedlichen Alters, sie kommen aus dem ganzen Bundesgebiet und zwei aus der Schweiz.

2. Tag
Unsere erste Etappe beginnt: Wir fahren mit dem Kleinbus ins Zentrum von Reykjavik. Nach einer kurzen Rundfahrt geht’s weiter zu Fuß durch die Stadt mit Besichtigung des Kulturhauses und der Hallgrimskirkja. Wir verlassen Reykjavik, fahren durch die Treibhausstadt Hveragerdi und verlassen nach ein paar Kilometern die Ringstraße. Jetzt geht’s auf der Hochlandpiste weiter. Unsere Route führt immer längs am Vulkan Hekla entlang. Unterwegs besichtigen wir den rekonstruierten Wikingerhof Stöng. Dann Weiterfahrt auf der Hochlandpiste nach Landmannalaugar. Irgendwo unterwegs müssen wir ausstiegen, da unser Kleinbus nicht mehr weiterkommt. So nutzen wir die nächsten 3 Stunden zum Einwandern abseits der Piste nach Landmannalaugar. In der Hütte des Wandervereins beziehen wir unser Lager unter dem Dach. Unsere Köchin Margit hat ein super Abendessen gekocht, den Abwasch müssen aber immer 2 Leute aus der Gruppe erledigen. Nach dem Abendesse geht’s zur Entspannung in die "Badewanne". Das ist ein Gebirgsbach der in der Nähe der Hütte von einer Heißen Quelle erwärmt wird und dadurch den Reiz eines Heißwasserpools bekommt.
 



3. Tag
Nach dem Frühstück starten wir unsere Tour durch den Landmannalaugur Nationalpark. Es folgen unzählige Auf- und Abstiege, die aber mit großartigen Ausblicken in eine überwältigende Landschaft entschädigen. Unser Reiseleiter bietet immer neue "Varianten" entlang des Weges an, die wir natürlich alle begeistert angehen. Bei strahlendem Himmel und sehr angenehmen Temperaturen lohnt sich aber jede Mühe, so dass wir abends erschöpft und glücklich wieder in unserer "Badewanne" entspannen können.

Unsere Wanderstrecke betrug an diesem Tag ca. 20 km mit einer Höhendifferenz von ca. 1000 m. Die zahlreichen Varianten wären aber in dieser Umgebung ohne einen erfahrenen Wanderführer nicht möglich gewesen.

  

4. Tag
Das Wetter hat sich über Nacht gewandelt, es ist ziemlich frisch und bewölkt. Wir verlassen Landmannalaugur und wandern Richtung Süden nach Hrafntinnusker. Als wir den ersten Aufstieg bewältigt hatten zeigte sich richtiges "Islandwetter". Unsere Wanderroute lag in dichtem Nebel, so dass man kaum die Steinmännchen erkennen konnte und dazu blies ein sehr kräftiger und kalter Wind. Es ging aber trotzdem weiter, nur eingepackt mit Mütze, Schal und Handschuhen. Nach ca. 3 Stunden Wanderung löst sich aber der Nebel auf, es bleibt jedoch kalt und windig. Unser Weg führt uns weiter an vielen heißen Quellen vorbei, die teils sehr aktiv sind. Das Wetter wird auch wieder besser, wir haben wunderschöne Ausblicke auf die Gletscher und das umliegende Hochland. Unser Tagesziel haben wir nach 23 km Wanderung mit der Schutzhütte Alftavatn am gleichnamigen See erreicht. Da es eine Selbstversorger Hütte ist, erwartet uns unser Begleitteam dort schon.

5. Tag
Es beginnt ein kühler Tag, die Temperatur beträgt 6°C, dazu bläst ein kräftiger Wind, es ist wolkig aber trocken. Unser Weg führt uns von der Schutzhütte Alftavatn zur Emstrur Hütte. Schon kurz nach Beginn der Wanderung muss der Fluss barfuss und in kurzen Hosen durchquert werden. Weiter geht's durchs Hochland, das Gelände ist flacher und bequemer. Wir genießen wunderbare Ausblicke auf den Myrdal Gletscher und seine nach Norden auslaufenden Gletscherzungen. Ein paar Kilometer vor unserem Ziel muss nochmals ein Fluss durchquer werden, der es in sich hat: reißende Strömung und eiskaltes Wasser, das uns bis zum Po reicht. Wanderstiefel, Hosen, Jacken, alles wurde im Rucksack verstaut, für die Querung brauchten wir nur unsere Trekkingsandalen und die Stöcke. Unser Wanderführer musste zuerst durchs Wasser, danach kamen wir an die Reihe und jeder von uns war heilfroh, am anderen Ufer trocken angelangt zu sein. Nach dieser glücklichen Flussquerung genossen alle den letzten Abschnitt bis zur Hütte.

6. Tag
Der Tag beginnt mit einer so genannten "Variante". Unser Wanderführer bringt uns an eine riesige Schlucht, in dessen Grund der Gletscherfluss Markarfliot fließt. Danach beginnt die letzte Etappe des Fernwanderweges, es ist bedeckt, noch immer kalt, aber trocken. Die Strecke führt vom kargen Hochland ins grüne Tal von Pörsmörk. Am Anfang des Abstiegs nach Pörsmörk war das ca. 20 km entfernte Meeresdelta zu erkennen. Es folgten zahlreiche steile Abstiege durch zum Teil schwieriges Gelände. Die letzten Kilometer führen durch Islands einzigen Birkenwald hinab zur Hütte im Langidalur wo wir als letztes übernachten.



7. Tag
Unser letzter Wandertag beginnt. Wir fahren mit dem Jeep durch das verzweigte Flussbett von Langidalur zur Schlucht Stakkholtsgja. Unser Fußweg führt zuerst über einen Sattel auf die andere Talseite. Danach führt der Weg weiter zur Schlucht. Über große Steine kann man die Schlucht hochklettern bis zum Wasserfall. Zurück am Ausgangspunkt werden wir von unserem Kleinbus abgeholt. Mit dem Bus fahren wir zum Wasserfall Seljalandsfoss an der Ringstraße. Danach fahren wir weiter zum goldenen Wasserfall Gullfoss und anschließend ins Geysir-Gebiet. Zum Schluss fahren wir zur Ebene von Pingvellir, wo wir die isländische Gründungstätte Thingvellir besuchen. Dort erhält jeder Teilnehmer sein ASI-Diplom und Abzeichen.  Der letzte Streckenabschnitt führt uns dann zurück nach Reykjavik in unser Hotel. Nach diesem langen Tag genießen wir ein gemeinsames Abendessen in einem Fischrestaurant von Reykjavik.

8. Tag
Dieser Tag steht zur freien Verfügung. Vom Veranstalter werden mehrere Vorschläge angeboten. Alle Teilnehmer entscheiden sich für eine Whale Watching Tour die morgens von 9-12 Uhr stattfindet.

Wir fahren mit Booten aufs offene Meer hinaus und sehen ungefähr nach einer Stunde die ersten Wale. Sie gleiten durchs Wasser, aber gezeigt hat sich uns keiner in seiner ganzen Größe. War zwar schade, aber gesehen haben wir sie ja trotzdem.

Den Nachmittag verbrachte dann jeder nach Lust und Laune in Reykjavik bevor es abends um 21 Uhr zurück zum Flughafen nach Keflavik ging.

Andrea Bleass