Reisewelt Beck GmbH

Die Nuss ist schuld...!
Ein Reisebericht von Peter Beck



Wenn ich jemandem erzähle, dass die Muskatnuss mit daran schuld ist, dass mein letztes Urlaubsziel die Karibikinsel Grenada war, wird dieser jemand sich zunächst mal mitleidig an die Stirn tippen. Tatsächlich aber ist Grenada der zweitgrößte
Muskatnussproduzent der Welt - nach Indonesien!


Und jetzt wird’s etwas plausibler: die indonesische Inselgruppe der Molukken ist die Nr.1 der Muskatnussproduktion weltweit und gleichzeitig die absolute Nr.1 in meiner Urlaubshitliste. Also war ich so richtig gespannt auf die Gewürzinsel der Karibik:


"Spicy Island" diente uns zunächst aber erst mal nur als Zwischenstation für die Fährüberfahrt nach Carriacou, der kleinen Schwesterinsel Grenadas. Dieses Miniinselchen mit gerade mal 33 Quadratkilometer ist ein wahres Kleinod in der Karibik. Hier findet man noch Strände, an denen man bis auf ein paar einheimische Fischer und den ein oder anderen Bilderbuch-Rasta noch wirklich allein sein kann. Man stolpert am Strand nicht über Liegestühle sondern über Kokosnüsse oder die etwa gleichgroßen inseltypischen Conch-Muscheln.


Auch im Hauptort Hillsborough geht's karibisch gelassen zu. Aus den wenigen Bars und Kneipen tönen - wie könnte es anders sein - Bob Marley oder andere Reggae-Rhythmen. Hat man dann noch das Glück im
"Green Roof Inn" untergebracht zu sein, ist man dem Himmel auf Erden schon richtig nahe. Dieses nette, saubere Guesthouse wird von der sympathischen Schwedin Jenny geführt, die ihre Gäste im offenen Restaurant mit Blick auf die karibische See auch gerne mit inseltypischen Köstlichkeiten verwöhnt.




So easy und ruhig das Inselchen über Wasser ist, so spektakulär geht’s unter Wasser weiter. Schnorchler und Taucher kommen an den Riffen rund um die Insel voll auf ihre Kosten.


Nicht ohne Wehmut bestiegen wir wieder das Schiff nach Grenada, waren aber schon gespannt darauf was uns auf der Gewürzinsel Grenada erwarten würde. Denn schon der Ausblick von der Fähre auf die Insel war gewaltig: wolkenverhangene Vulkangipfel mit sattgrünem tropischen Regenwald überzogen, palmengesäumte Traumstrände und dann die wohl schönste Hafenstadt der Karibik St. Georges. Die Vielfalt der Insel lässt sich am besten auf eigene Faust mit dem Geländewagen erkunden, aber Vorsicht - britisches Erbe - Linksverkehr. Die ersten Eindrücke bestätigten sich eindrucksvoll: Dichte Regenwälder, mannshohe Farndickichte, versteckte Kraterseen, Wasserfälle unter Lianen, palmenumrahmte Bilderbuchstrände aber auch verträumte Fischerdörfer, Festungen, Kolonialbauten und Muskatnuss-Manufakturen.


Auch unter der Wasseroberfläche der karibischen See wurden wir nicht enttäuscht. Nicht nur farbenfrohe Tropenriffe, sondern vor allem auch eine Vielzahl von Wracks machen die Gewässer im Süden Grenadas für den Sporttaucher äußerst interessant. Ein Highlight ist sicher die rund 200 Meter lange "Bianca C", die "Titanic der Karibik", welche in ca. 40 Meter Tiefe nach einem Brand Ihre Ruhe fand.


Trotz all dieser Sehenswürdigkeiten hängt man hier doch etwas der karibischen Gelassenheit von Carriacon hinterher. Auf Grenada gibt’s halt von allem ein bisschen mehr, so auch Touristen, Resort Hotels, Bars, Restaurants, Autos, Segelyachten..., und dennoch fühlt man sich wohl. Ein etwas schräger Hemingway-Verschnitt meinte ziemlich zutreffend:
"So wie es jetzt hier ist, war es auf Key West vor 50 Jahren...!"




Viel zu schnell ging auch unser Aufenthalt auf Grenada zu Ende. Einfach irre, wenn man zurückdenkt, was es auf dieser kleinen Sonneninsel alles gibt. Und dennoch, was diese Insel am meisten prägt ist die Muskatnuss. Aber die wird das nächste mal nicht allein schuld sein, wenn ich wieder auf der Gangway des Point Saline Airport Grenada stehe und denke: "Nice to see you again, little Nutmeg Island".

Peter Beck